Wie viel Wild steht wirklich im Revier? Von der Antwort hängen Abschussplanung, Verbissbelastung und so manche Diskussion zwischen Jagd, Forst und Landwirtschaft ab. Trotzdem beruht sie oft auf Schätzungen. Hier ein Überblick über die gängigen Methoden der Wildzählung, was sie leisten und wo ihre Grenzen liegen.
Warum eine Zählung mehr bringt als eine Schätzung
Die meisten Bestandsangaben entstehen aus Beobachtungen vom Hochsitz, aus Strecken der Vorjahre und aus Erfahrung. Das ist wertvoll, aber schwer nachzuweisen. Sobald es um strittige Abschusspläne, hohen Verbiss oder Wildschäden geht, hilft eine dokumentierte Zählung, weil alle Beteiligten von derselben Grundlage ausgehen.
Keine Methode erfasst jedes einzelne Stück. Entscheidend ist, dass sie nachvollziehbar ist und sich im Folgejahr unter gleichen Bedingungen wiederholen lässt. Erst dann zeigen die Zahlen, wohin sich der Bestand entwickelt.
Die vier gängigen Methoden
- Scheinwerfer- und Sichtzählung: Mehrere Zähler fahren oder gehen nachts festgelegte Strecken ab und zählen die angestrahlten Tiere. Die Methode ist eingeführt und günstig, erfasst aber nur, was vom Weg aus sichtbar ist. Wild in dichter Deckung oder abseits der Strecke bleibt unentdeckt, und das Ergebnis hängt stark von Wetter und Erfahrung der Zähler ab.
- Fährten- und Losungszählung: Gezählt werden Spuren im Schnee oder Losungshaufen auf Probeflächen. Daraus lässt sich auf Dichte und Entwicklung schließen. Das funktioniert ohne Störung des Wildes, braucht aber passende Bedingungen, viel Zeit und eine Hochrechnung, die Annahmen enthält.
- Wildkameras: Fest installierte Kameras zeigen, welche Arten wo und wann unterwegs sind. Für Artenspektrum und Aktivität sind sie hervorragend. Für eine Gesamtzahl im Revier eignen sie sich nur eingeschränkt, weil dasselbe Tier mehrfach auftauchen kann und nur der Bildausschnitt erfasst wird.
- Wärmebilddrohne: Die Drohne fliegt das Revier in überlappenden Bahnen ab und erfasst jede Wärmequelle, auch in der Deckung. Eine KI erkennt die Tiere in den Aufnahmen, bei Bedarf bestätigt ein Zoom-Nachflug die Art. Jede Feststellung wird mit Koordinaten festgehalten.
Was die Wärmebildzählung anders macht
Der größte Unterschied ist die Abdeckung. Statt einzelner Strecken oder Probeflächen wird die gesamte Fläche systematisch erfasst, auch Bereiche, die vom Boden aus kaum zugänglich sind. Das Ergebnis ist eine Karte mit Fundpunkten, die zeigt, wo sich das Wild tatsächlich aufhält.
Wärmebild allein reicht für die Unterscheidung der Arten allerdings nicht aus. Deshalb kombinieren wir es mit einer Zoomkamera, die die Ansprache aus großer Höhe erlaubt, ohne das Wild zu beunruhigen. Die KI-Detektion beschleunigt die Auswertung der vielen Aufnahmen, die fachliche Beurteilung bleibt beim Menschen. Bei BLICKWINKEL erfolgt sie in Zusammenarbeit mit zertifizierten Wildbiologen, unter anderem in Natura-2000-Gebieten.
Auch die Wärmebildzählung hat Grenzen: Dichte Nadelholzbestände, aufgeheizter Boden an warmen Tagen und Tiere, die zwischen zwei Flugbahnen wechseln, beeinflussen das Ergebnis. Überlappende Bahnen und das Nachprüfen auffälliger Signaturen machen die Zählung belastbar.
Der richtige Zeitpunkt
Für die Wärmebildzählung ist der Winter ideal. Bei unbelaubtem Bestand und kühler Witterung heben sich die Tiere im Wärmebild am deutlichsten vom Boden ab, und sie stehen in ihren Einständen. Wer die Entwicklung über mehrere Jahre verfolgen will, sollte immer im gleichen Zeitfenster zählen.
Praktischer Nebeneffekt: Eine Zählung im Winter liegt vor, bevor die Abschussplanung für das neue Jagdjahr ansteht.
Wildzählung und Abschussplan
Die Abschusspläne selbst richten sich nach dem Jagdrecht des jeweiligen Bundeslandes und werden dort festgelegt. Eine dokumentierte Zählung ersetzt dieses Verfahren nicht, sie liefert aber eine sachliche Grundlage dafür: Zahlen je Wildart, eine Karte der Aufenthaltsorte und einen Bericht, den Sie an Gemeindejagdvorstand, Grundeigentümer oder Behörde weitergeben können. Gerade dort, wo die Sichtweisen auseinandergehen, bringt das eine gemeinsame Basis in die Diskussion.
Welche Methode passt zu Ihrem Revier?
- Für Aktivität und Artenspektrum: Wildkameras an Wechseln und Fütterungen.
- Für langfristige Trends mit wenig Aufwand: Scheinwerferzählung auf immer gleichen Strecken.
- Für eine belastbare Gesamtzahl auf der ganzen Fläche: Wärmebildzählung mit der Drohne, idealerweise jährlich im selben Zeitfenster.
Viele Reviere kombinieren mehrere Methoden. Wenn Sie wissen möchten, ob sich eine Befliegung bei Ihnen lohnt, melden Sie uns Revier und Zielart. Das Ergebnis liegt in der Regel 2 bis 5 Werktage nach der Befliegung vor.
Wildzählung für mein Revier anfragen
Häufige Fragen
Welche Methode der Wildzählung ist am genauesten?
Keine Methode erfasst jedes Stück. Für eine Gesamtzahl auf der ganzen Fläche ist die Wärmebildzählung mit der Drohne am aussagekräftigsten, weil sie das gesamte Revier systematisch abdeckt und auch Wild in der Deckung erfasst. Wildkameras und Scheinwerferzählung ergänzen sie gut für Aktivität und Trends.
Stört eine Drohne das Wild bei der Zählung?
Geflogen wird hoch, ruhig und in gleichmäßigen Bahnen, die Störwirkung ist dadurch gering. Die Zoomkamera erlaubt die Ansprache der Art aus großer Höhe, ohne dass die Drohne nah an die Tiere heran muss.
Wann ist die beste Jahreszeit für eine Wildzählung mit Wärmebild?
Der Winter bei unbelaubtem Bestand und kühler Witterung. Dann heben sich die Tiere im Wärmebild am deutlichsten ab. Für Vergleiche über mehrere Jahre sollte immer im gleichen Zeitfenster gezählt werden.
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